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Positive Verstärkung ist keine Ideologie

  • 24. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Juni

Warum modernes Hundetraining funktioniert


Der Artikel im Der Standard vom 22. Februar 2026 greift eine Entwicklung auf, die ich in meiner Arbeit als Hundetrainerin seit Jahren begrüße: Immer mehr Hunde werden gelobt statt gestraft – und es zeigt sich, dass es funktioniert. Keine Romantik, kein „alles ist erlaubt“, sondern angewandte Lerntheorie. Und als Halterin einer sehr überzeugten Jagdhündin – kann ich das nur bestätigen.





Der Moment, in dem es ernst wird


Es gibt diesen Moment im Wald: Dein Hund (im Freilauf) bleibt stehen, der Körper spannt sich an, eine Pfote geht hoch, die Nase ist auf Empfang – und man weiß, jetzt wird es ernst. In den nächsten Sekunden entscheidet sich, wie stabil eure Beziehung wirklich ist.


Meine Reaktion ist heute unspektakulär. Ich rufe ihren Namen oder klicke (mit dem Clicker, auf den sie konditioniert ist) einmal. Sie dreht den Kopf. Ein ruhiges „Hierher“ – und sie kommt. Und dann: eine kleine Party. Hochwertiges Leckerli, ehrliches Lob, echte Freude. Eine Verstärkung, die in diesem Moment offenbar attraktiver ist als der Jagdausflug, den sie gerade geplant hatte.


Ein Jagdhund bleibt ein Jagdhund


Meine fast elfjährige Rauhaardackelhündin Ludovica ist kein Sofahund mit gelegentlichem Interesse am Unterholz. Als sie jung war, war mein Rückruf in manchen Situationen eher eine höfliche Einladung als eine verbindliche Anweisung. Und ich hörte oft von anderen Halter:innen: Ein Jagdhund brauche klare Ansagen, notfalls Härte. Kooperation entstehe durch Druck.


Ich habe mich bewusst dagegen entschieden – nicht, weil ich Grenzen ablehne, sondern weil ich verstehen wollte, was im Hund passiert.


Lernen passiert nicht getrennt von Emotion


Jagdverhalten ist neurobiologisch hochgradig selbstbelohnend. In hoher Erregung kann Strafe Verhalten zwar unterbrechen, aber sie verändert den emotionalen Rahmen, in dem Lernen stattfindet. Und Emotion ist der Kern von Lernen.


Also habe ich nicht versucht, ihr den Jagdtrieb „auszutreiben“ – als könnte man Genetik einfach umprogrammieren – sondern ihn in Training übersetzt: erwünschtes Verhalten markieren, hochwertig verstärken, Alternativen aufbauen. Der Click(er) wurde zum Versprechen. Aufmerksamkeit wurde lohnend. Der Rückruf wurde systematisch trainiert – erst ohne, dann mit steigender Ablenkung. Impulskontrolle wie einen Muskel.


Beziehung statt Einschüchterung


Die sogenannte Operante Konditionierung ist dabei simpel: Erwünschtes Verhalten, wird belohnt und folglich dann häufiger gezeigt. Strafe hingegen reduziert unerwünschtes Verhalten nur, baut aber nicht automatisch Alternativen oder Sicherheit auf.


Heute liegt zwischen Reiz und Reaktion etwas, das wir gemeinsam aufgebaut haben: die Erfahrung, dass ich die bessere Alternative bin. Nicht, weil sie muss. Sondern weil es sich lohnt. Und genau das basiert nicht auf Strafe und Angst, sondern auf Beziehung.


Link zum DER STANDARD Artikel hier.

 
 

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